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Portrait einer Marktgemeinde

„Heroldsberg ist das schönste Dorf, das ich kenne…“. So äußerte sich einmal der bekannte fränkische Maler und Graphiker Rudolf Schiestl (1878 - 1931). Wie kaum eine andere vergleichbare Gemeinde hat Heroldsberg in der Vergangenheit immer wieder Künstler inspiriert, das Ortsbild oder Teile davon bildlich darzustellen. Kein geringerer als Albrecht Dürer führt den Reigen der Künstler an. Dabei spannt sich der Bogen über Johann Alexander Böner und Christian Melchior Roth im 18. Jahrhundert bis hin zu Fritz Griebel in unserem Jahrhundert, um nur einige zu nennen.



Drer Stich

Heroldsberg mit seinen Herrensitzen;
Kupferstich von Johannes Alexander Böner, 1703 


Heroldsberg wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegründet. Rings um die Nürnberger Kaiserburg ließen die Deutschen Kaiser Stützpunkte errichten, in denen kaiserliche Ministeriale – heute würde man Beamte sagen – die Interessen des Reichs vertraten. Einer der ersten Ministerialen war ein gewisser Heriwald oder Herigold. Von ihm wird der Ortsname abgeleitet. Bis etwa 1300 wurde Heroldsberg Verwaltungssitz einer ganzen Reihe neu gegründeter Ortschaften im Nordwesten und Nordosten Nürnbergs – vergleichbar in etwa mit einer heutigen Kreisstadt. Nach dem Nürnberger „Reichssalbüchlein“ aus der Zeit um 1300 gehörten zum Reichsamt Heroldsberg u.a. folgende Siedlungen: Bruck, Kalchreuth, Groß- und Kleingeschaidt, Eckenhaid, Neunhof, Beerbach, Behringersdorf. Von 1295 bis 1299 war der Ort an den Nürnberger Bürger Konrad Fürer und von 1299 bis 1348 an die Grafen von Nassau, die in Nürnberg Besitz hatten, verpfändet. Letztere wurden 1348 mit dem Amt Heroldsberg belehnt, aus dem nun eine sog. Hofmark wurde.

1361 verkaufte Graf Johann von Nassau die Hofmark Heroldsberg an die Burggrafen von Nürnberg. Burggraf Albrecht bestimmte das Gebiet zunächst als Witwensitz für seine Gattin Sophie. Später erhielt seine Tochter Anna die Hofmark Heroldsberg als Mitgift. Sie heiratete 1374 Herzog Swantibor von Pommern und Stettin.

Von diesem kaufte die Nürnberger Patrizierfamilie Geuder das Gebiet im Jahre 1391 und hielt diesen Besitz bis zum Ende der Feudalherrschaft. Die Geuder ließen in Heroldsberg die bekannten vier Schlösser am Oberen Markt erbauen. Zusammen mit der evangelischen Kirche St. Matthäus und dem Pfarrhaus aus dem Jahre 1427 bilden sie den historischen Kern der Ortschaft. 1510 war der berühmte Nürnberger Maler Albrecht Dürer – ein Freund der Familie Geuder – in Heroldsberg und fertigte eine Federzeichnung des Ortes. Dies ist die älteste bildliche Darstellung der Ortschaft. Das Original dieser Zeichnung befindet sich heute in einem Museum in Bayonne in Südfrankreich. Um 1540 bestand Heroldsberg aus 85 Anwesen, der Kirche und dem Pfarrhaus, den vier Schlössern, einer Schule und 12 Gaststätten.

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Weißes Schloss

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Rotes Schloss

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Rotes Schloss
Luftbildaufnahme

 

 

 

 

Im Unteren Markt entwickelte sich vor allem das Brau- und Gastwirtschaftsgewerbe. Die große Zahl an „Schenkstätten“ an der Hauptstraße beweist, dass Heroldsberg seit dem Spätmittelalter ein beliebter Treffpunkt der Kaufleute und Händler war. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, dass die wichtige Handelsstraße von Nürnberg über Bayreuth und Hof nach Dresden, Breslau und Krakau durch Heroldsberg führte. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts durchlebte die Ortschaft mehrmals Phasen des Aufschwungs und Wachstums, die immer wieder durch Zerstörungen und Verwüstungen unterbrochen waren. Schwere Zerstörungen entstanden durch die beiden Markgrafenkriege sowie während des 30-jährigen Krieges. 1688 fiel fast der gesamte Untere Markt einer Feuersbrunst zum Opfer. 1796 endete die über vierhundertjährige Herrschaft der Herren von Geuder. Heroldsberg wurde zunächst preußisch und kam während des Napoleonischen Krieges für vier Jahre unter französische Verwaltung. Seit 1810 gehört Heroldsberg zu Bayern. Neben dem Gaststättengewerbe an der Hauptstraße dominierte in Heroldsberg jahrhundertelang bis weit in unser Jahrhundert die Landwirtschaft. Nach Ende des 2. Weltkrieges fanden hier rund 1.700 Heimatvertriebene aus den früheren Ostgebieten Deutschlands eine neue Heimat.


Ortswappen
Wappen alt Heroldsberg verfügt über ein historisches Wappen. 1417 verlieh König Sigmund in Konstanz auf Bitten des Kunz Geuder den Bürgern Heroldsbergs Schild und Wappen. Dieses Wappen dürfte in den folgenden Jahren sowohl als Wappen des Marktes Heroldsberg als auch als Wappen der Geuder verwendet worden sein. 1471 erwirkten die Geuder für sich bei Kaiser Friedrich III. ein eigenes Wappen. Das Wappen zeigt einen goldenen Löwenkopf auf blauem Grund, umgeben von drei silbernen Sternen.



Groß- und Kleingeschaidt

Die beiden Orte sind vermutlich im Zuge der allgemeinen Besiedlung der Reichswalddörfer in der Zeit um 1050 und 1100 entstanden. Sie waren Reichsgut und gehörten zum Reichsamt Heroldsberg. Fast 300 Jahre waren die Geuder Herren in Groß- und Kleingeschaidt. 1660 fielen die Orte an die Patrizierfamilie Welser. Seit dem frühen 19. Jahrhundert waren Groß- und Kleingeschaidt zwei selbständige Gemeinden. Im Rahmen der Gebietsreform wurden sie 1978 nach Heroldsberg eingemeindet.



Hinweis für historisch interessierte Bürger

Über die Geschichte der Ortschaft gibt es folgende Publikationen:

• Die Geuder-Rabensteiner und das Weiße Schloss zu Heroldsberg, Alberti Volker, Brunel-Geuder Eberhard, Fahner Druck, Lauf 2002

• Heroldsberg – Geschichte einer Marktgemeinde, Brunel-Geuder Eberhard, Nürnberg 1990

• Heroldsberg in alten Ansichten, Band 1, Brunel-Geuder Eberhard, Europäische Bibliothek Verlag, Zaltbommel 1993

• Heroldsberg in alten Ansichten, Band 2, Brunel-Geuder Eberhard, Europäische Bibliothek Verlag, Zaltbommel 1997

• Heroldsberg in alten Ansichten, Band 3, Brunel-Geuder Eberhard, Europäische Bibliothek Verlag, Zaltbommel 2001

• Das Gelbe Schloß zu Heroldsberg, Glock Karl Borromäus, Glock und Lutz Verlag, Nürnberg 1967

• Die Kirche St. Matthäus in Heroldsberg, Heckel Karl, Hans Meyer Verlag, Scheinfeld 1998

• Chronik der Marktgemeinde Heroldsberg, 1954, Held Wilhelm (handgeschrieben, im Besitz der Gemeinde)

• Die Geschichte der Gemeinden, in: Landkreis Erlangen-Höchstadt, Held Wilhelm / Schubert Ernst u.a., Verlag für Behörden und Wirtschaft Alfred Koeppen GmbH, 1979, S. 109 ff., S. 248 ff.

• Heroldsberg im Bilde von der Dürerzeit bis zur Gegenwart, in: Altnürnberger Landschaft, Schnelbögl Fritz, Mitteilungen, 16. Jahrgang, Heft 1 / 2, 1967

• Heroldsberg – Geschichte und Leben einer Marktgemeinde, Sieghardt August, Glock und Lutz Verlag 1961

• „Heroldsberg Heute“ – Ein Spaziergang durch den Ort, Brunel-Geuder Eberhard und Kaletsch Dieter, Helmut Preußler Verlag, Nürnberg 2006 Verschiedene Aufsätze zur Ortsgeschichte in den Heroldsberger Heften, herausgegeben von den Kulturfreunden Heroldsberg e.V.; bisher erschienen Band 1 (1992), Band 2 (1994) und Band 3 (2003).

Die Publikationen sind erhältlich bei den Kulturfreunden Heroldsberg,
Telefon 0911/5 18 75 35